Monday, December 5th, 2022

6000 Mitglieder ohne Vorstand: Droht das Aus des Stadtsportverbands Geilenkirchen?


6000 Mitglieder ohne Vorstand
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Droht das Aus des Stadtsportverbands Geilenkirchen?

Seit vor mehr als zwei Jahren Heinz-Josef von St. Vieth nicht mehr als Geschäftsführer des Stadtsportverbandes Geilenkirchen zur Verfügung stand, haben die 6000 Mitglieder keinen Vorstand mehr. Droht jetzt das Aus?

Eigentlich begann die Misere vor mehr als zwei Jahren: Bis zu dem Zeitpunkt war die Welt für den Stadtsportverband Geilenkirchen noch in bester Ordnung. Mit Karin Hölscher und Tom Klein hatte der Verband ein gut eingespieltes Team an der Vorstandsspitze und mit Heinz-Josef von St. Vieth einen sachkundigen und engagierten Geschäftsführer an seiner Seite. Anfang 2020 jedoch trat von St. Vieth zurück, ein Nachfolger war nicht in Sicht.

In dieser Not wandte sich der Stadtsportverband, der immerhin die Interessen von 6000 Sportlern aus 26 Vereinen vertritt, mit der Bitte an die Verwaltung, ähnlich wie beim Aktionskreis aus ihren Reihen einen Geschäftsführer zu stellen. Dies lehnte der Stadtrat unter anderem mit der Begründung ab, dass die städtischen Mitarbeiter ohnehin überlastet seien. Während der Arbeitszeit könne kein Mitarbeiter im Rathaus dafür freigestellt werden, die Belange der Sportler wahrzunehmen. Auch die Bitte, ein Honorar für den neuen vom Stadtsportverband noch einzustellenden Geschäftsführer zu übernehmen, wurde vom Stadtrat abgelehnt.

Zu der dann vom Vorstand einberufenen Mitgliederversammlung kamen nur noch Vertreter von 14 Vereinen. „Besteht überhaupt noch Interessse am Stadtsportverband?“, fragte sich der Vorstand und trat zurück. Karin Hölscher übernahm pro forma die Geschäftsführung. Und dann kam erst einmal die Corona-Pandemie, die auch die Sportwelt zeitweise lahmlegte. Jetzt teilte Karin Hölscher den Vereinen mit, dass für sie Ende des Jahres endgültig Schluss ist.



 Tom Klein hofft auf eine Rettung des Stadtsportverbandes Geilenkirchen.


Tom Klein hofft auf eine Rettung des Stadtsportverbandes Geilenkirchen.
Foto: MHA/Udo Stüßer

„Die Politik und die Verwaltung haben unsere Arbeit damals boykottiert. Wir erhielten keinerlei Rückendeckung. Und die Vereine haben sich immer mehr direkt mit ihren Problemen an die Politik und an die Verwaltung gewandt. Und so kam es zu unserem Rücktritt“, sagt Tom Klein rückblickend. Doch zwischenzeitlich scheinen die Vereine sich über die Bedeutung des Stadtsportverbandes im Klaren zu sein. „Wir waren das Bindeglied zwischen Politik, Verwaltung und Vereinen. Wir wollten das Sprachrohr aller Vereine sein und für Gerechtigkeit sorgen. Besonders bei der Hallen- oder Mittelvergabe standen die großen Vereine oft besser da. Wir haben auch die Belange der kleinen Vereine berücksichtigt“, sagt Tom Klein.

So bildete sich im vergangenen Jahr eine kleine Arbeitsgruppe mit dem Ziel, einen neuen Vorstand zu finden und eine neue, modernere Satzung zu erarbeiten. In einem Schreiben dieser Arbeitsgruppe an die Vereine heißt es: „Wir alle wissen, dass sowohl seitens der Politik als auch seitens der Verwaltung der Sport in Geilenkirchen nicht an oberster Stelle der Aufgaben und der Interessen der Stadt steht und als Thema eher stiefmütterlich behandelt wird. Dies ist nicht nur sehr bedauerlich, sondern muss auch geändert werden. Dabei sollte der Politik als auch der Verwaltung bewusst sein, welchen nicht zu beziffernden Mehrwert die ehrenamtliche Tätigkeit der (Sport)Vereine für die Stadt bedeutet. Insbesondere die Jugendarbeit sollte hier erwähnt werden.“ Und weiter: „Sollte es nun keinen Stadtsportverband Geilenkirchen mehr geben, steht zu befürchten, dass alle Vereine, so klein oder groß sie auch sein mögen, zum Spielball von Politik und Verwaltung werden.“

„Dann kam ein letzter Hilferuf“, sagt Tom Klein. Für vergangenen Samstag wurden nochmals alle Vereine eingeladen. Mehr als 20 Mitglieder aus acht Vereinen waren dem Ruf gefolgt. Eine neue Satzung und eine neue Geschäftsordnung wurden vorgestellt, ein neuer Vorstand wurde allerdings nicht gefunden. „Diejenigen, die kamen, waren schon Vorstandsmitglied in ihren Vereinen und haben in dieser Position schon genug Probleme zu lösen“, erklärt Klein, der Präsident des IFBU-Kampfsportverbandes ist und deshalb die Probleme in den Vereinen kennt. „Es gibt Vereine, die sich auflösen, weil sie keinen Vorstand mehr finden. Oft zahlen die Mitglieder nur ihre Beiträge, kommen nicht oder je nach Lust und Laune zum Training und sehen den Verein als Dienstleister. Selbst wollen sie keine Verantwortung mehr übernehmen. In dieser Situation ist es schwierig, Menschen für ein Ehrenamt zu gewinnen“, bedauert Klein, der in der Taishindokan-Akademie Geilenkirchen Kampfsport unterrichtet. „Es ist schwierig, die Leute für den Sport zu motivieren, geschweige denn für ein Ehrenamt. Aber alle stellen die große Bedeutung des Stadtsportverbandes heraus.“

Bevor sich der Stadtsportverband jetzt endgültig auflöst, lädt Karin Hölscher zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung für Mittwoch 14. Dezember, 18.30 Uhr, in den Sportpark Loherhof ein. Wird an diesem Abend kein neuer Vorstand gefunden, löst sich der Stadtsportverband auf. „Jeder kann sich melden. Auch der Geschäftsführer muss kein Angehöriger eines Sportvereins sein. „Jeder ist willkommen, der den Stadtsportverband unterstützen will“, richtet Klein einen letzten Appell an Menschen, die sich engagieren wollen. Wer Interesse hat, melde sich bei Karin Hölscher, 02451/64357 oder 01635011954.

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