Monday, December 5th, 2022

Besondere Momente: Als die Queen auf einen Hochofen im Ruhrgebiet kletterte…

Queen Elizabeth II. besuchte Deutschland und NRW mehrfach. Sie kletterte in Duisburg auf einen Hochofen, besuchte ihre Truppen in Dortmund und wurde jubelnd gefeiert – besondere Momente.

Queen Elisabeth II ist tot. Die britische Königin starb am Dienstag (8.9.) im Kreise mit 96 Jahren ihrer Familie. Im Laufe ihres langen Lebens war die wohl berühmteste Frau der Welt mehrmals in Deutschland, fuhr gleich bei ihrem allerersten Besuch in Nordrhein-Westfalen durch staubige Werkstraßen im Ruhrgebiet. Ein Überblick über bewegende, besondere Momente der Queen-Besuche in Deutschland und NRW:

1965 kam Elizabeth II. zum ersten Mal. Im damals noch geteilten Berlin hatte der royale Konvoi mitunter Mühe, sich einen Weg durch die jubelnden Massen zu bahnen. Zum ersten Mal sahen die Queen und ihr Gemahl Prinz Philip die Sperranlagen mitten in der Stadt. In langsamer Fahrt fuhr ihr Wagen nahe an der Mauer vorbei. Vor dem Rathaus Schöneberg, wo sich etwa 100.000 Menschen versammelt hatten, nannte die Monarchin ihren Berlin-Aufenthalt „ein tief bewegendes Erlebnis“.

Die Ankunft der Queen 1965 auf dem Flughafen Köln-Bonn im Video:

Queen stieg in Duisburg auf einen Hochofen

Direkt erhielt die Monarchin auch einen unmittelbaren Eindruck von der deutschen Arbeitswelt. Eine Besichtigung des Hüttenwerkes Huckingen der Mannesmann AG in Duisburg stand auf dem Programm. Nach einer Rundfahrt im Wagen über staubige und rußige Werkstraßen stieg sie die eisernen Stufen zu der Hochofenbühne empor, um einen Ofenabstich mitzuerleben. Wie alle anderen trug auch sie einen Schutzhelm. Mit einem Sonderzug ist die Queen dann weiter unterwegs nach Soest, zur Übernachtung hielt der Zug am kleinen Bahnhof von Bönen-Lenningsen, berichtet das Buch „111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichten erzählen

Der Besuch 1965 endete mit einer glanzvollen Schiffsparade. Die königliche Jacht „Britannia“ legte von der Hamburger Überseebrücke zur Fahrt nach England ab – begleitet von vier Kriegsschiffen und Booten der Wasserschutzpolizei. Zehntausende Schaulustige säumten das Elbufer, um die Ausfahrt des königlichen Besuchs zu erleben. An der Schiffsbegrüßungsanlage bei Wedel explodierten statt eines Gruß-Saluts am nächtlichen Himmel bunte Raketen.

Die Queen 1984 zu Besuch in Dortmund

Am 23. Mai 1984 stattete Elizabeth II. den britischen Truppen in Dortmund einen Besuch ab und traf dabei auch den damaligen Oberbürgermeister Günther Samtlebe. Wie der Lokalkompass berichtet, nahm die Queen als Ehren-Oberst eine Militärparade ab. „Das werde ich mein ganzes Leben lang nicht vergessen. Es war sehr beeindruckend, obwohl die Parade nur etwa eine halbe Stunde gedauert hat“, zitiert der Bericht den walisischen Soldaten Jeff Goode.

Untergebracht war die Queen mit ihrem Prinzgemahl offenbar im Casino der Kasernen an der B1, erinnert sich die Dortmunderin Anneliese Stangl. Das Haus des Kommandeurs soll für die Queen renoviert und komplett neu möbliert worden sein.

1992 besuchte die Queen Ostdeutschland

1992 galt ihr besonderes Interesse dem Osten des wiedervereinigten Landes. In Dresden setzte sie mit ihrem Besuch fast 50 Jahre nach dem vernichtenden Bombenangriff alliierter Flugzeuge auf die Stadt ein Zeichen der Versöhnung. In Leipzig begab sie sich auf die Spuren der friedlichen Revolution in der DDR Ende der 1980er Jahre. Am Brandenburger Tor in Berlin hatte sie erstmals ostdeutschen Boden betreten.

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Queen Elizabeth II. – Ihr Leben in Bildern

Botschaftseröffnung im Jahr 2000 in Berlin

Als erste amtierende Monarchin in der Geschichte des Königreichs eröffnete Elizabeth II. im Jahr 2000 eine britische Botschaft. Der Neubau in der Nähe des Brandenburger Tors wurde an der Stelle errichtet, an der die im Zweiten Weltkrieg zerstörte alte Vertretung gestanden hatte.

S-Bahn-Fahrt und Modenschau in Düsseldorf beim Staatsbesuch 2004

Zum Staatsbesuch der Queen im Jahr 2004 hatte sich das Protokoll etwas besonderes ausgedacht: eine Fahrt mit der Berliner S-Bahn. Im Panoramazug konnte sich die Queen auf dem Weg nach Potsdam ein Bild vom Wandel der einst geteilten Stadt machen.

Im gleichen Jahr war die Queen sichtlich „amused“ von einer Modenschau deutsch-englischer Designer in Düsseldorf, die 2004 das Festmenü der Düsseldorfer Landesregierung auflockerte. Insbesondere die frechen Schöpfungen der Modemacherin Anja Gockel erheiterten die Monarchin.

2015 betrat die Queen zum ersten Mal ein Konzentrationslager

70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs betrat die Queen 2015 zum ersten Mal ein ehemaliges Konzentrationslager. Es war ihr persönlicher Wunsch, in der Gedenkstätte Bergen-Belsen (Niedersachsen) einen Kranz zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus niederzulegen und mit Holocaust-Überlebenden und Veteranen der britischen Armee zu sprechen. Elizabeth II. war noch eine junge Prinzessin, als die Briten 1945 Bergen-Belsen befreiten.

Bundespräsident Joachim Gauck überreichte der Queen im gleichen Jahr ein Gemälde der Künstlerin Nicole Leidenfrost: „Pferd in Royalblau“. Es zeigt Elizabeth als Mädchen auf einem blauen Pony. Zu sehen ist auch ihr Vater George VI. in einem gelben Sakko. Der Kommentar der Königin: „Das ist eine lustige Farbe für ein Pferd“. Sie bemerkte aber auch: „Soll das mein Vater sein?“

Die britische Presse hatte wenig übrig für das Geschenk. „Ist es Bad Painting oder einfach nur schlecht gemalt?“, fragte der Kunstkritiker Mark Hudson. Leidenfrost war sich sicher: „Der Königin hat mein Bild gefallen“.

mit dpa

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