Friday, June 18th, 2021

Der elfte Mann sieht in der Bundesliga Farbmatsch

Fußball-Fans mit Rot-Grün-Schwäche nehmen das Spiel anders wahr. Ein Werder-Fan geht in die Offensive, die DFL will reagieren – und t-online zeigt, wie matschig der Sport für Betroffene wirken kann.

Das Problem von Markus Stahmann mit dem Fußball zeigte sich erstmals, als er fünf Jahre alt war und seine Eltern begeistert zum Himmel zeigten: „Der Regenbogen, schau doch mal, die Farben!“ Der kleine Markus sah aber nur zwei Farben. Er hat eine Rot-Grün-Schwäche wie jeder elfte Mann. Die Bundesliga hat ihm in dieser Saison oft vor Augen geführt, dass sie das kaum schert. Acht Mal in dieser Saison ist es dem Werder-Fan so ergangen, dass Werder Bremen in Grün gegen Gegner in Rot spielte – und er die Mannschaften im Farbbrei kaum auseinanderhalten konnte. „Du willst gemütlich ein Spiel auf dem Sofa schauen und bist danach platt, weil du dich extrem auf Details wie Hosen oder Stutzen konzentrieren musst“, erzählt er t-online. „Wahrscheinlich bin ich einer der wenigen Fans außerhalb von Freiburg, der sofort sagen kann, dass die Freiburger weiß abgesetzte Ärmel haben.“

Das Trikot mit diesen Ärmeln trugen die Freiburger nicht, als sie am 21. März gegen Augsburg spielten. Es wäre Rot gegen Grün gewesen, aber Freiburg-Trainer Christian Streich ordnete Gelb an: In seinem Kader stand ein Spieler, der eine Farbschwäche hat, verriet der Coach, ohne den Namen zu nennen. „Ich wollte nicht, dass er einem Gegner den Pass in die Füße spielt.“ Es war ein Aha-Moment für Stahmann, aber auch für den TV-Kommentator Wolff Fuss: „Da habe ich mir gedacht: ‚I feel you'“, erzählt Fuss im Podcast „Eine Halbzeit mit…“ des Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Fuss gab dort preis, dass er selbst von einer Rot-Grün-Schwäche betroffen ist. Die kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein, bis zur einer Rot-Grün-Blindheit. Fuss erklärt, er fühle sich eigentlich nicht beeinträchtigt. „Es gab einmal eine Situation, da habe ich die Konferenz kommentiert und gedacht: ‚Was ist denn hier los?‘ Komplett grüne Wolfsburger gegen komplett rote Münchner.“ Das sei wirklich eine Herausforderung gewesen, weil er sich dann auch bei Abseitssituationen schwergetan habe.

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