Saturday, October 1st, 2022

Tödlicher Polizeieinsatz in Dortmund: Durchsuchungen bei beschuldigten Polizisten

Hinter diesem Zaun starb am 8. August ein 16-jähriger Senegalese bei einem Polizeieinsatz

Hinter diesem Zaun starb am 8. August ein 16-jähriger Senegalese bei einem Polizeieinsatz


Foto: Gregor Bauernfeind / dpa

Im Fall des am 8. August durch Polizeikugeln getöteten 16-jährigen Senegalesen Mouhamed D. weiten sich die Ermittlungen gegen einige der beim Einsatz beteiligten Polizisten aus. Ein Zeuge der Tat gab an, dass, anders als bisher berichtet, nicht nur aus einer Maschinenpistole auf D. geschossen worden sei. Auch der Einsatzleiter soll dem Zeugen zufolge auf den 16-Jährigen geschossen haben. Die Waffe des Einsatzleiters sei, so Innenminister Herbert Reul im Innenausschuss des Landtags, beschlagnahmt worden und soll jetzt auf entsprechende Spuren untersucht werden.

Dies geschehe aus »äußerster Vorsicht«, heißt es in einem Bericht des Landesjustizministeriums. Bislang gehen die Ermittler davon aus, dass die Schüsse aus der Maschinenpistole eines jungen Polizisten abgegeben wurden, der als Sicherungsschütze eingeteilt worden war.

Auch kam es bei den insgesamt fünf beschuldigten Beamten am 14. September zu Hausdurchsuchungen, dabei wurden die Mobilfunkgeräte der fünf Polizisten beschlagnahmt, »da die begründete Annahme« bestehe, »dass die Beschuldigten sich per SMS oder Whatsapp ausgetauscht haben«. Die Polizisten sollen zudem zwei Tage nach den Schüssen zu einer gut einstündigen »Dienstbesprechung unter Beteiligung des Polizeipräsidenten« zusammengekommen sein. Es sei zu vermuten, dass dabei auch über den Ablauf des Einsatzes gesprochen worden sei.


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Gegen die Beamten wird wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge im Amt ermittelt, der Anstiftung dazu oder der Beihilfe. Mouhamed D. war im April 2022 nach Deutschland und eine Woche vor dem Polizeieinsatz nach Dortmund gekommen. Er litt unter einer traumatischen Belastungsstörung und wurde wegen einer depressiven Episode einen Tag vor der Tat in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie behandelt.

Am Montag alarmierte um 16.25 Uhr ein Betreuer der Jugendhilfeeinrichtung, in der D. wohnte, die Polizei, da D. sich im abgeschlossenen Innenhof ein Messer an den Bauch hielt und nicht ansprechbar gewesen sein soll. Die Polizei sammelte sich gegen 16.30 vor der Jugendhilfeeinrichtung, 17 Minuten später fielen sechs Schüsse. Gegen 18 Uhr starb D. in einem nahegelegenen Krankenhaus.

Nach der Tat hatte es in Dortmund unter anderem mehrere Demonstrationen gegen Polizeigewalt gegeben. Kritisiert wurde unter anderem, dass kein Beamter eine Bodycam eingeschaltet hatte und es damit kein Videomaterial des Geschehens gibt. Aufgezeichnet wurde dagegen der Notruf des Betreuers, laut Angaben aus dem Justizministerium bis zu den Schussabgaben auf den 16-Jährigen.

Bereits in der Vergangenheit hatte der ermittelnde Oberstaatsanwalt Carsten Dombert die Verhältnismäßigkeit des Einsatzes angezweifelt, auch Innenminister Herbert Reul hatte Zweifel am korrekten Ablauf des Polizeieinsatzes geäußert.


tgk

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