Sunday, October 2nd, 2022

Zentralbanken forcieren globale Zinswende

ms Frankfurt
– Trotz der zunehmenden Rezessionssorgen forcieren die führenden Zentralbanken im Kampf gegen die vielerorts zu hohe Inflation die globale Zinswende. Am Donnerstag erhöhten auf einen Schlag gleich drei Notenbanken ihre Leitzinsen kräftig: Die Bank of England und die norwegische Zentralbank hoben ihren Schlüsselsatz um jeweils 50 Basispunkte an, die Schweizerische Nationalbank ihren sogar um 75 Basispunkte. Am Mittwochabend hatte auch die US-Notenbank Fed zum dritten Mal in Folge ihren Leitzins um 75 Basispunkte angehoben.

Weltweit stemmen sich Zen­tralbanken gegen die zu hohe Inflation, die derzeit vor allem durch die Folgen des Ukraine-Kriegs weiter angeheizt wird. Insbesondere die Fed erhöht deshalb die Leitzinsen in einem Tempo wie seit Jahrzehnten nicht. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Juli die Zinswende eingeleitet. Zugleich wächst wegen des Kriegs, aber auch wegen Störfaktoren wie anhaltendem Lieferkettenstress die Sorge vor einer Rezession. Zinssorgen und Rezessionsängste belasten die Finanzmärkte erheblich.

Am Donnerstag nun untermauerten die Zentralbanker, dass für sie der Kampf gegen die Inflation aktuell Vorrang vor der Unterstützung der Wirtschaft hat. In Großbritannien hob die Zentralbank ihren Leitzins bereits zum siebten Mal in Folge an. Mit 2,25

% liegt er nun so hoch wie seit 14 Jahren nicht mehr. Vor der Sitzung war auch über eine mögliche Anhebung um 75 statt um 50 Basispunkte spekuliert worden. Dazu kam es nicht. Gleichwohl votierten drei der neun Mitglieder im geldpolitischen Ausschuss für 75 Punkte – während es eine Stimme für 25 Punkte gab. In der Schweiz beendete die Notenbank nach mehr als sieben Jahren ihre Negativzinspolitik und hob den Satz mit einer Rekord-Zinserhöhung auf 0,5

% an.

„Die Zentralbanken haben derzeit keine andere Wahl. Sie müssen die Gefahr der Rezession gegen die Gefahr eines Kontrollverlusts über den Inflationsprozess abwägen“, sagt Christian Keller, Chefvolkswirt der britischen Großbank Barclays, im Interview. Bei einem solchen Verlust drohten „viel höhere Kosten“.

Anders als die meisten Notenbanken ließ die Bank of Japan ihren Leitzins am Donnerstag unverändert. Japans Finanzministerium intervenierte aber wegen der Yen-Schwäche erstmals seit 24 Jahren am Devisenmarkt.

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